Warum Fische in gefrorenen Seen sterben

Ursachen und Zusammenhänge für eingefrorene Fische in stehenden Gewässern
Ein Spaziergang an einem gefrorenen See kann faszinierend, aber auch bedrückend sein, wenn man unter der Eisdecke erfrorene Fische entdeckt. Doch warum sterben die Fische überhaupt in einem zugefrorenen See? Ist es das Erfrieren selbst oder spielen andere Faktoren eine Rolle? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Ursachen und erläutern, wie tief ein See sein muss, damit Fische auch im Winter überleben.
Warum frieren Fische ein?
Fische sind wechselwarme Tiere, was bedeutet, dass ihre Körpertemperatur von der Umgebung abhängt. In einem zugefrorenen See sinkt die Wassertemperatur an der Oberfläche auf den Gefrierpunkt, während die tieferen Schichten in der Regel knapp über 0 °C bleiben. Doch wenn ein See nicht tief genug ist, kann das gesamte Wasser bis zum Grund durchfrieren. In diesem Fall haben die Fische keinen Rückzugsort mehr, an dem sie überleben könnten, und werden buchstäblich eingefroren. In flachen Seen mit einer Tiefe von weniger als etwa 1 bis 2 Metern ist dieses Risiko besonders hoch.
Ersticken oder erfrieren – was ist die häufigere Todesursache?
In den meisten Fällen sterben Fische in gefrorenen Seen nicht direkt durch das Einfrieren, sondern durch Sauerstoffmangel. Das passiert, wenn eine dichte Eisdecke den Sauerstoffaustausch zwischen Wasser und Luft unterbindet. Ohne frischen Sauerstoff im Wasser verbrauchen die Fische und andere Lebewesen den vorhandenen Sauerstoffvorrat, was dazu führt, dass sie schließlich ersticken. Dieses Phänomen wird als Wintersterben bezeichnet.
Wenn Fische dann tot im Wasser treiben und die Temperaturen weiter sinken, können sie in der Eisdecke eingefroren werden. Das Einfrieren ist in solchen Fällen also oft eine Folge des Ersticken, nicht die eigentliche Todesursache.
In extrem kalten Wintern oder sehr flachen Gewässern kann das Wasser allerdings tatsächlich bis zum Grund gefrieren. In diesen Fällen sterben die Fische durch das Einfrieren selbst, da Eiskristalle ihre Gewebe und Zellen zerstören.
Wie tief muss ein See sein, damit Fische überleben können?
Die Tiefe eines Sees spielt eine entscheidende Rolle für das Überleben der Fische im Winter. Ein See sollte mindestens 2 bis 3 Meter tief sein, damit sich eine stabile Schicht aus wärmerem Wasser am Grund bilden kann. Diese sogenannte Sprungschicht bleibt knapp über dem Gefrierpunkt und bietet den Fischen einen Rückzugsort. Je tiefer der See, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass genügend Sauerstoff und lebensfreundliche Temperaturen vorhanden bleiben.
Welche Faktoren erhöhen das Risiko für Fischsterben im Winter?
Mehrere Faktoren können die Überlebenschancen der Fische in gefrorenen Seen verringern:
Flache Gewässer: In flachen Seen kann das Wasser bis zum Grund durchfrieren, was den Fischen keinen Schutzraum bietet.
Eisdicke: Eine dicke und anhaltende Eisdecke verhindert den Gasaustausch und führt zu Sauerstoffmangel.
Schnee auf dem Eis: Eine Schneedecke blockiert das Sonnenlicht und hemmt die Photosynthese von Wasserpflanzen, wodurch die Sauerstoffproduktion weiter abnimmt.
Hohe Biomasse im Wasser: Wenn viele Fische oder andere Lebewesen im See sind, wird der Sauerstoff schneller aufgebraucht.
Gibt es Lösungen, um das Wintersterben zu verhindern?
In manchen Fällen können Maßnahmen ergriffen werden, um das Fischsterben in zugefrorenen Seen zu minimieren:
In flachen Seen können Belüftungssysteme installiert werden, um den Sauerstoffgehalt im Wasser aufrechtzuerhalten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, kleine Öffnungen in der Eisdecke zu schaffen, die den Sauerstoffaustausch fördern und so die Gefahr des Ersticken reduzieren. Zudem kann die Regulierung des Fischbesatzes hilfreich sein, da eine geringere Fischdichte den Sauerstoffverbrauch im Winter deutlich senkt.
Fische sterben in gefrorenen Seen oft nicht durch das Einfrieren selbst, sondern durch Sauerstoffmangel, der durch dichte Eisdecken verursacht wird. In flachen Gewässern besteht jedoch das Risiko, dass sie tatsächlich einfrieren, wenn das Wasser bis zum Grund gefriert. Um solche Szenarien zu vermeiden, sollten Gewässer tief genug sein, und in künstlichen oder stark belasteten Seen können Belüftungssysteme helfen.
Welche Arten sind besonders vom Wintersterben betroffen?
Forellen und andere fischereilich wertvolle Arten mit hohem Sauerstoffbedarf sind besonders anfällig für das Wintersterben, während robuste Arten wie Karpfen, Schleien oder Hechte besser mit den schwierigen Bedingungen zurechtkommen. Zudem sind größere Fische und Arten, die in flachen Gewässern oder stark bewachsenen Bereichen verweilen, stärker gefährdet. Das Wintersterben hängt also von einer Kombination aus Art, Größe, Verhalten und Umweltbedingungen ab.
Sauerstoffbedarf und Stoffwechsel
Fischarten mit einem hohen Sauerstoffbedarf, wie z. B. Forellen oder Äschen, sind besonders anfällig für Sauerstoffmangel im Winter. Diese Fische benötigen konstant sauerstoffreiches Wasser, um zu überleben, und reagieren empfindlich auf sinkende Sauerstoffwerte. Arten wie Karpfen oder Welse hingegen haben einen geringeren Sauerstoffbedarf und können in sauerstoffärmeren Gewässern länger überleben.
Anpassungsfähigkeit an extreme Bedingungen
Einige Fischarten, wie Hechte und Karpfen, haben Anpassungen entwickelt, die ihnen helfen, auch unter harten Winterbedingungen zu überleben. Sie reduzieren ihren Stoffwechsel drastisch, wodurch sie weniger Sauerstoff und Nahrung benötigen. Andere Arten, wie Forellen, können diese Anpassung nicht in gleichem Maße durchführen, was sie anfälliger macht.
Verhalten im Winter
Das Verhalten einer Fischart im Winter beeinflusst ebenfalls ihre Überlebenschancen. Fische, die sich in tiefere Wasserschichten zurückziehen, wo die Temperatur stabiler und der Sauerstoffgehalt höher ist, haben bessere Überlebenschancen. Arten, die in flacheren Gewässern bleiben oder in der Nähe von Hindernissen wie Pflanzen verweilen, sind stärker gefährdet, da diese Zonen schneller einfrieren oder weniger Sauerstoff bieten.
Fischgröße und Sauerstoffbedarf
Größere Fische haben im Vergleich zu kleineren Fischen einen höheren Sauerstoffbedarf, da sie mehr Energie benötigen, um ihren Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. In einer Umgebung mit begrenztem Sauerstoff können größere Individuen daher schneller sterben. Zudem sind große Fische oft weniger anpassungsfähig, da sie weniger Schutz in tieferen oder sauerstoffreicheren Bereichen finden.
Fischdichte und Konkurrenz
In Seen mit hoher Fischdichte wird der Sauerstoff im Winter schneller aufgebraucht. Arten, die weniger konkurrenzfähig sind, wie kleinere Friedfische, sind in solchen Situationen stärker betroffen. Räuberische Arten wie Hechte oder Zander können oft länger überleben, da sie effizienter mit begrenzten Ressourcen umgehen.



